KI soll Administration automatisieren und Produktionsabläufe optimieren
Erschienen im Holzkurier, Ausgabe 39: Nachbericht Holzmesse Klagenfurt am 24.09.2026. Text und Bilder Günther Jauk & TimberTec.
TimberTec, Eutin/DE, entwickelt sich vom ERP-Anbieter zur Digitalisierungsplattform für die Holzindustrie. Auf der Internationalen Holzmesse in Klagenfurt präsentierte das Unternehmen unter anderem eine KI-Anwendung, die selbst handschriftliche Stücklisten erfasst und daraus vollständige Aufträge erstellt.
„Die Messe in Klagenfurt ist für uns eine der wichtigsten Veranstaltungen“, betonte TimberTec-Geschäftsführer Marcus Wieser. Im Mittelpunkt des Messeauftritts stand die strategische Reise des Unternehmens. „Wir entwickeln uns immer weiter von einem klassischen ERP-Anbieter und hin zu einem Anbieter einer Digitalisierungsplattform für die Holzindustrie“, erläuterte Wieser.
Basisbild des ERP-Systems TiCom, es bildet Geschäfts- und Produktionsprozesse der Holzindustrie ab und wird um spezialisierte Anwendungen ergänzt. TimberTec will damit Daten aus verschiedenen Bereichen verknüpfen und weitere Abläufe automatisieren.

TimberTec-Geschäftsführer Marcus Wieser präsentiert auf der Holzmesse in Klagenfurt neue, praxistaugliche KI-Lösungen.
Vom Zettel zum Auftrag
Ein Schwerpunkt auf der Messe in Klagenfurt lag auf KI-Lösungen für Vertrieb und Administration. Der neue TiCom Multiagent erfasst Auftragsinformationen aus unterschiedlichen Quellen und wandelt sie in strukturierte ERP-Daten um. Ob Kunden Bestellungen als PDF, Excel-Datei oder E-Mail übermitteln, spielt laut Wieser keine Rolle. Daraus kann TiCom automatisch einen Auftrag erzeugen.
Selbst handschriftliche Aufzeichnungen soll das System verarbeiten können. „In ersten Tests erreichen wir bei handgeschriebenen Listen eine Trefferquote von über 70 %“, berichtete Wieser. Fotografiert ein Mitarbeiter eine Bestellliste mit dem Smartphone, liest das System die Angaben aus und bereitet das Angebot oder Auftrag vor.
Als nächsten Schritt plant TimberTec die Sprachangabe. Außendienstmitarbeiter sollen Aufträge direkt ins Smartphone diktieren können. Speech-to-Text strukturiert die Informationen für TiCom. Ist ein Kunde noch nicht angelegt, kann das System automatisch einen Interessenten erstellen. Langfristig soll sich damit die Angebotserstellung weitgehend automatisieren lassen.
Eine weitere KI-Anwendung ermöglicht per Chatbot die Analyse von Kundendaten. Mitarbeiter können etwa Umsatzentwicklungen, Verteilungen oder den umsatzstärksten Kunden abfragen, ohne eigene Auswertungen zu erstellen.
Administration im Fokus
Den größten Digitalisierungsbedarf sieht Wieser inzwischen außerhalb der Produktion. „Die Holzindustrie ist in der Fertigung stark automatisiert und digitalisiert. Potenzial gibt es vor allem noch in Verwaltung und Administration.“ KI soll Routinearbeiten reduzieren und Bearbeitungszeiten verkürzen.
Langfristig soll jeder Nutzer, im Innendienst oder mobil, einfach mit ERP-Prozessen interagieren. KI kann Auftrags- und Stücklisten direkt in ERP-Aufträge überführen.
Nach Vertrieb und Administration will TimberTec KI stärker in der Produktionsplanung einsetzen. Wieser nennt unter anderem die Optimierung von Pressenbelegungen und Paketen. „Wir gehen Schritt für Schritt durch die Prozesse. Entscheidend ist, dass der Kunde einen direkten Nutzen daraus hat. Es soll nicht nur KI draufstehen, sondern eine pragmatische Lösung entstehen, die tatsächlich einen Mehrwert bietet.“
Auch außerhalb des ERP-Kerns erweitert TimberTec seine Plattform. Mit TiYard zeigte man eine Anwendung für den digitalen Rundholzplatz. Sie informiert Maschinenfahrer über volle Sortierboxen und weist per GPS und Geofencing den vorgesehenen Polter zu. Das soll Leerfahrten und Verladezeiten reduzieren. TimberTec will damit Prozesse von Administration und Vertrieb über die Rundholzlogistik bis zur Produktion zunehmend auf einer Plattform abbilden.

TiYard zeigt Füllstände, Aufnahme und Ablage sowie Fahrzeuge in Echtzeit an und verhindert somit Leerfahrten und Vermischungen auf den Poltern.